Von Karla Schröder | Premiere 23.01.2026 DIE BÜHNE Dresden
Während unter seinem Wohnblock ein Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg schlummert, sehnt sich Tom vier Etagen höher nur nach Ruhe, Kontrolle und einem Leben ohne Überraschungen.
Als plötzlich eine hartnäckige Straßentaube auf seinem Balkon nistet, ist er sich sicher: Dieser Vogel bringt Unheil und Chaos in sein Leben. In seiner Verzweiflung und um das Tier zu täuschen ersetzt er ihr Ei durch eines aus Plastik – doch die Taube checkt gar nichts und brütet gutgläubig weiter.
Und während die beiden einsamen Seelen sich um Sorgepflicht und die Hoheit des Balkons streiten, regt sich über den Dächern ein Aufbruch: Ein Chor von Straßentauben beginnt, sich aus dem grauen Alltag der Stadt und den Jahren der Domestizierung und Unterdrückung zu lösen – und wagt den Sprung in ein anderes Dasein.​​​​​​​
Regie und Text | Karla Schröder
Es spielen | Nils Bette, Cedric Decker, Edgar Hopf, Franziska Körner, Helena Marek, Maike Prüter, Grete Seifert, Samuel Siering
Musik | Lars Engeln, Taddeus Ehrhard
Bühne und Video | Emily Siedler
Kostüm | Marie Göhler
Choreografie | Malte Leonard Herz
Technik | Christoph Baitis, Wilhelm Müglich
Maske | Franziska Körner
Regieassistenz | Ju Hellwich
Fotos | Karla Schröder, Sebastian Lay
Presse:
„Im Mittelpunkt steht nicht die Kernfrage nach Krieg oder Frieden oder dem Primat von Taube (als Henne) oder Ei, sondern der gemeine menschlich-perverse Umgang mit der eigenen Umwelt als urbanes wie soziales Umfeld. Das Ganze dabei durchaus subtil wie witzig eingebettet in eine überaus heutig-trostlose Familiengeschichte halbwegs intelligenter Großstadtnomaden mit ausfüllendem Job- und trivialen Freizeitgebaren. […] die Tiefe der teilweise durchaus ins absurde Theater gleitenden Dialoge entsteht individuell im Hirn des Betrachters. So gleitet auch die Friedenstaubenmetapher nur ganz kurz durchs fulminante Spiel des dynamischen Oktetts, das (jenseits von Tom und Taube) stetig zwischen den Rollen fluktuiert, aber als antiker Chor bemerkenswert gut funktioniert und eine erstaunliche Frische auch am dritten Abend hintereinander offenbart.“
Elmar Mann, Dresdner Neue Nachrichten 29.01.2026
"Du fliegst Tom. Du bist doch noch nie geflogen, noch nicht mal im Traum. Du hast immer gesagt, im Traum zu fliegen ist was für Idealisten, für Träumer eben, nur Träumer fliegen im Traum, und jetzt schau dich an."
Wir wollen in den Süden
Wir sind der 
   Chor der angehenden Zugvögel 
Tauben 
   Zugtauben
Und wir wollen in den Süden
"Naja jedenfalls wollte ich noch mal nachfragen, so von Ringeltaube zu Straßentaube, wie oft Sie das Ei denn überhaupt wenden. Wissen Sie, ich habe Sie die letzten Tage ein paar mal zufällig beobachtet von unserem Balkon aus, also mein Blick ist so beiläufig durch die Gegend geschwiffen und dabei gelegentlich auf Sie gefallen, und ich habe dann doch sehr selten vernommen, wie Sie sich vom Ei runter bewegt und es gewendet haben. Das kann natürlich an meinen nur sehr beiläufigen Beobachtungen liegen, aber ich habe doch sehr gewissenhaft beiläufig beobachtet, und die Wende-Zahl erschien mir dann doch sehr gering!"
Fotos: Sebastian Lay und Karla Schröder